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Atsuko & Kunihiko Kato

"Lob der Erde" - Japanische Kunst

01.12.1998 - 31.01.1999

Seit über 22 Jahren lebt das japanische Künstlerehepaar Atsuko und Kunihiko Kato in Deutschland, genauer gesagt in Fürth bei Nürnberg, und hat auch so den europäischen Kulturkreis kennengelernt. Ihre Kunst ist ein Brückenschlag zwischen Ost und West, zwischen Realität und Vision, zwischen Mensch und Natur. Letztere ist das große Thema ihrer Inspiration, wie sie sagen eine "unendliche schöpferische Quelle". Für Atsuko Kato ist die Natur als Motiv das Medium zur inneren Welt des Wesens. "Auch die Gegensätzlichkeit von realer und visionärer Welt wird eins", sagt Atsuko Kato, die selbst liebevoll Pflanzen züchtet und diese Pflanzen, überwiegend Ginkgos, oft in ihre künstlerische Arbeit integriert. Die Exaktheit und Detailiertheit, mit der sie in einer Zeit, da besonders breite Pinselstriche an der Tagesordnung sind, ihre Naturvisionen abbildet, ist nicht nur dem japanischen Erbe zuzuschreiben. Auch die von ihr vollkommen beherrschten Techniken der Ölmalerei und der Lithografie sind nicht der fernöstlichen Tradition entsprungen. Atsukos Zeichenlehrer in Japan verehrte Albrecht Dürer, ihr Kunstprofessor hatte in Deutschland studiert und so setzte sie nicht ohne Grund ihr in Japan begonnenes Kunststudium in der Dürerstadt Nürnberg fort. Bei Atsuko Kato steht die Schönheit der unberührten Natur im krassen Gegensatz zu der vom Menschen manipulierten Welt. Für die Überwindung von Dissonanzen und die Vereinigung von Gegegensätzen, seien sie real oder der Fantasie entsprungen, hat Atsuko ein markantes Symbol gefunden: Den Ginkgobaum, oder genauer, das gespaltene Ginkgoblatt, welches in einer Vielzahl ihrer Werke in einer Fülle von Varianten erscheint. Der Ginkgo, als Pflanze an sich schon ein Phänomen mit vielen Besonderheiten, um die sich unzählige asiatische Mythen ranken, steht für Freundschaft, Liebe und Hoffnung. Dies wird an der Tatsache deutlich, dass die widerstandskräftige Pflanze die geballte Zerstörungswut von Hiroshima und Nagasaki überlebt hat. Der Ginkgo wird so zum Hoffnungsträger, denn wenn Menschen es schaffen, untereinander beginnen, ihren Zwist beizulegen, gelingt ihnen, so eine These der Künstlerin, womöglich in einem weiteren Schritt die Wiedervereinigung mit der Natur. Weit abstrakter als die Bilder Atsuko Katos wirken auf den ersten Blick Kunihiko Katos Skulpturen. Dennoch sind sie alle von der Natur inspiriert; ein "Lob der Erde" anderer Art, das den Betrachter erkennen läßt, in welch hohem Maße er für die ihn umgebenen Wunder blind geworden ist. Nicht nur große Panoramen werden hier erfasst, sondern einzelne, zum Teil seit Urzeiten vorhandenene Formen aus dem unerschöpflichen Reservoir der Pflanzen- und Tierwelt, vor allem der Meerestiere. Kunihiko Kato bezeichnet seine Arbeiten als "biozentrisch". Indem er seine Naturformen aus ihrer Umgebung löst, künstlerisch abwandelt und stilisiert, verleiht er ihnen eine völlig neue, geheimnisvolle Existenz. "Lebewesen" heißen daher auch seine sämtlichen Werke, und jedes einzelne von ihnen bringt Ehrfurcht vor dem Leben in all seinen Ausprägungen zum Ausdruck, lädt unaufdringlich dazu ein, inne zu halten und Achtsamkeit zu üben.

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