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Johann Schickinger

"Bronze- und Holzskulpturen"

01.12.1999 - 31.01.2000

Ein gutes Händchen hat der Vorsitzende des Kunstkreises Lauda-Königshofen Norbert Gleich bei der Auswahl des Bildhauers Johann Schickinger bewiesen. Als Doppelausstellung deklariert, präsentiert seit Anfang Dezember 1999 bis Ende Januar 2000 Johann Schickinger sein Schaffen der breiten Öffentlichkeit. So sind die kleinformatigen Grafiken und Skulpturen im Domizil des Kunstkreises Lauda-Königshofen, der Galerie "das auge," zu besichtigen, während die großformatigen monumentalen Skulpturen und Grafiken in der FabrikGalerie LAUDA DR. R. WOBSER der breiten Öffentlichkeit zur Besichtigung zur Verfügung stehen. Großdimensionierte Bronze- und Holzskulpturen sowie bisher ungewohnt große Bildformate lassen das lichtdurchflutete und großzügige Treppenhaus eher klein erscheinen. Die monumentalen Kunstobjekte stellen sich förmlich dem Besucher in den Weg und fordern so die Auseinandersetzung mit den Objekten – ob man will oder nicht, in welcher Art auch immer. Johann Schickinger, einst Schüler von Alfred Hrdlicka, will wie sein berühmter Lehrer mit seinen Plastiken Stellung beziehen zu jenen Themen, welche die Menschheit heute bewegen: Umwelt, Gewalt, Verletzlichkeit und Vergänglichkeit. Kunst, meint er, darf und soll eine politische Komponente haben, sie soll aufrütteln oder zumindest nachdenklich machen. Als Weltverbesserer will er nicht antreten, dafür reiche die Macht der Kunst nicht aus, "aber Anstöße geben, das können wir", meint er. Wer die Skulpturen und Bilder in der FabrikGalerie auf sich wirken lässt, erkennt die Botschaft. Ja sie schreit geradezu aus den Bildern und Skulpturen. Da stehen Fragmente, Torsos zu Stein und Metall erstarrter Schmerz, Menschen, geschundene, geschlagene, Folteropfer: Schickingers Plastiken klagen an und rühren den Betrachter am Gemüt, appellieren an seine Gefühle. Die Titel "Folter" und "Exekution" sind beide anlässlich des 50. Jahrestages des Bombenabwurfs über Hiroshima und Nagasaki entstanden. In der "Vergänglichkeit liegt die Hoffnung" wird die Verwandtschaft zu seinem Lehrer Hrdlicka besonders deutlich: Aus der Naturform des Steines wachsen die Gestalten heraus, die Mutter Gottes mit dem Leichnam Christi. Schickinger gießt seine Skulpturen in Bronze, nach aus Stein gehauenen Figuren. Sie sehen fast aus, wie aus Stein gemeißelt, was daran liegt, dass der Künstler die Oberfläche nicht nach dem Guss noch weiterbearbeitet, geschweige denn poliert. Die Gussspuren sind deutlich zu erkennen, an ihnen haften gar noch die Schamottreste. Das alles erweckt den Eindruck von verwittertem Stein. Die menschlichen Körper sind kaum noch erkennbar, als habe sie jemand im Moment des Schmerzes erstarren lassen, in Stein verwandelt. Dennoch drücken die Figuren eine intensive Spannung aus. Was sicher auch an den merkwürdigen Proportionen liegt, etwa im Vergleich zum Rest des Körpers viel zu großen Füßen. Dazu passt auch die geometrische Form eines Menschen, der in ein unnatürliches Quadrat gezwängt wurde. Der Kopf schaut nach oben, ruft förmlich nach Hilfe, doch die Figur hat keinen Hals, keinen aufrechten Gang mehr. Johann Schickinger hat sich in der Bildhauerei bundesweit einen Namen gemacht, seine Werke sind in vielen Ausstellungen vertreten. Kunstpreise hat er in Augsburg, Nürnberg und Hamburg erhalten.

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